29.01.2017

Starker Kampf in Iserlohn reicht nicht zum Sieg

Das Auswärtsspiel am 17. Spieltag der 2. Basketball-Bundesliga ProB bei den Iserlohn Kangaroos entwickelte sich zu einem Basketball-Krimi, welcher eine echte Werbung für diese Sportart darstellte. Es entwickelte sich ein verbissener Kampf, den die dezimierten Basketballer des FC Schalke 04 erst in den Schlusssekunden der Verlängerung verloren. Coach Raphael Wilder ärgerte sich zwar über die knappe 90:93-Niederlage, lobte aber den Kampfgeist seiner Mannschaft.

Diese Auswärtspartie bei den Iserlohn Kangaroos hätte unter normalen Voraussetzungen schon eine Herkules-Aufgabe für die Basketballer des FC Schalke 04 dargestellt, denn die Mannschaft von Coach Matthias Grothe hat in den letzten beiden Saisons lediglich ein Heimspiel verloren. Erschwerend für die Schalker Ausgangssituation kamen nun noch Personalsorgen im Team von Coach Raphael Wilder hinzu. Während der zuletzt starke Thomas Szewczyk mit einer hartnäckigen Grippe zu Hause im Bett verweilen musste, reiste Marco Buljevic zwar mit nach Iserlohn, konnte aber aufgrund von muskulären Beschwerden im Oberschenkel kein grünes Licht für die Partie geben. So standen auf dem Schalker Spielberichtsbogen nur neun Akteure, von denen Dorian McDaniel mit einem ausgekugelten Finger an seiner Wurfhand zudem noch angeschlagen war.

Coach Wilder vertraute auf seine Starting Five, welche bereits in der Vorwoche erfolgreich in das Spiel gegen den Tabellenführer LOK Bernau gestartet war. Neben Patrick Carney, Courtney Belger und Lennart Weichsel standen noch Daniel Boahene und Michael Agyapong von Beginn an auf dem Parkett.

Von den widrigen Umständen aufgrund der Personalsituation bei den Knappen war ab Beginn der Partie wenig zu spüren. Die Schalker waren von der ersten Sekunde präsent in der Hemberghalle und übernahmen durch je einen Dreier von Lennart Weichsel und Daniel Boahene erstmals in der vierten Spielminute beim Stand von 9:7 die Führung in der Partie. Ein erneuter Weichsel-Dreier und Punkte von Boahene und Trent Weaver ließen die Schalker Führung in der neunten Minute sogar auf 20:11 anwachsen, ehe die heimstarken Kangaroos über Deion Giddens und Kristof Schwarz das Spiel zum Viertelende auf 20:16 für den S04 verkürzen konnten. „Wir sind konzentriert in das Spiel gestartet und die Offensive ist sofort ins Rollen gekommen. Lennart Weichsel hat uns mit zwei Dreiern einen Push gegeben, der zu einer starken Phase führte, in der wir einen Vorsprung aufbauen konnten. Wir haben Iserlohn durch unsere Stärke und Entschlossenheit im ersten Viertel gleich zu Beginn beeindruckt“, zeigte sich Coach Raphael Wilder nach dem Spiel zufrieden mit dem Start in die Partie.

Zu Beginn des zweiten Viertels spielten in den ersten beiden Minuten erneut nur die blau-weißen Gäste. Michael Agyapong, Nikita Khartchenkov und Trent Weaver starteten einen 8:0-Lauf für die Schalker, die dadurch auf 28:16 davonziehen konnten. Postwendend kamen die Iserlohner allerdings zurück in die Partie und verkürzten binnen zwei Minuten auf 28:25. Die Knappen behielten aber die Kontrolle über die Partie und konnten sich dank einer Energieleistung von Daniel Boahene zur Halbzeit erneut auf 39:30 absetzen. „Wir haben das erste Viertel konsequent fortgeführt und unser Spiel weiter aufgezogen. Die kurze starke Phase von Iserlohn hat uns nicht beeindruckt und wir konnten den Lauf durch kleine taktische Änderungen recht schnell unterbinden. So konnten wir bis zur Halbzeit ein Neun-Punkte-Polster aufbauen“, hielt Wilder fest.

Spannende Schlussphase der regulären Spielzeit führt in die Verlängerung

Nach der Pause taute dann auf Seiten der Königsblauen US-Guard Patrick Carney auf und übernahm Verantwortung in der Offensive. Bis zur Mitte des Viertels konnten die Schalker den Vorsprung konstant bei zehn Punkten halten. Ein kurzer Run durch Thomas Reuter und Moussa Kone ließ die Kangaroos dann allerdings auf fünf Punkte zum 48:43 herankommen. Diesen Vorsprung nahmen die Knappen dann auch beim Stand von 54:49 mit in das letzte Viertel. „Iserlohn ist im dritten Viertel, wie es zu erwarten war, besser in die Partie gekommen, doch wir haben nicht unser Spiel aufgegeben und unseren Game-Plan weiterverfolgt. So haben wir zwar das Viertel von den Punkten her abgeben müssen, hatten aber immer noch einen Fünf-Punkte-Vorsprung auf unserer Seite“, so Wilder über das dritte Viertel.

Im Schlussabschnitt drehte sich seit der dritten Spielminute die Führung. Terrell Harris glich für die Kangaroos in der 32. Spielminute zum 56:56 aus und Ruben Dahmen erzielte, nachdem Courtney Belger nur einen Freiwurf für die Knappen verwandeln konnte, anschließend die 57:58-Führung für Iserlohn. Doch die Schalker kamen zurück und gingen bis zur 37. Spielminute durch sechs Punkte von Trent Weaver und zwei Zählern von Dorian McDaniel mit 65:60 in Führung. Nun folgte der nach dem Spiel von Coach Wilder thematisierte Knackpunkt in der Partie. Zwei Unkonzentriertheiten in der Schalker Defensive gewährten Thomas Reuter und Joshua Dahmen einfache Punkte von außen, welche erneut den Ausgleich zum 65:65 hervorbrachten und den Kangaroos anschließend eine 65:69-Führung bei noch zwei Minuten auf der Uhr einbrachten. Damit war die Dramatik des letzten Viertels aber noch nicht abgehakt, denn der S04 kam über Michael Agyapong zurück, während Iserlohn über Terrell Harris das 67:71 erzielen konnte. Im Gegenangriff traf S04-Routinier Nikita Khartchenkov einen stark bedrängten Dreier zum 70:71, welchen Moussa Kone für Iserlohn postwendend durch einen Korbleger zum 70:73 kontern konnte.

Die Spieluhr zeigte noch 32 Sekunden Restzeit an und die Schalker hatten den Ball. Nach einem Cut von Khartchenkov landete der Ball 18 Sekunden vor Schluss bei Patrick Carney an der Dreierlinie und der Wurf fand sein Ziel. Das Spiel war beim Stand von 73:73 erneut ausgeglichen. Durch ein schnelles taktisches Foul der Schalker ging Sören Fritze für Iserlohn an die Freiwurflinie und verwandelte seine beiden Versuche, welche Daniel Boahene durch einen schnellen Korbleger zum 75:75 erneut kontern konnte. Iserlohn hatte sechs Sekunden vor Schluss den letzten Angriff der Partie, doch die gute Schalker Defensive brachte durch einen Block von Lennart Weichsel gegen Thomas Reuter den Ball in die blau-weißen Hände für die letzten zwei Sekunden. Lennart Weichsel konnte zwar noch einen Wurf von kurz hinter der Mittellinie auf die Reise schicken, doch dieser landete auf dem Ring des Iserlohner Korbes. Somit war die Verlängerung in diesem spannenden Match besiegelt.

Intensiver Kampf bis zur letzten Sekunde der Overtime

In der Verlängerung waren die Hausherren die tonangebende Mannschaft. Die Königsblauen konnten zwar konsequent durch gute Konter das Spiel offen gestalten, sodass es bis zur Schlussminute beim Stand von 85:87 einen offenen Ausgang hatte. Die Konzentration ließ nun auf Seiten der Schalker, bedingt durch die Anstrengungen einer kleinen Rotation, spürbar nach. So mangelte es an der Entschlossenheit nach einem verworfenen Dahmen-Freiwurf bei den Knappen, die sich nur durch ein weiteres Foul behelfen konnten. Der starke Thomas Reuter nahm dies dankend an und verwandelte seine beiden Freiwürfe 26 Sekunden vor Ende der Overtime zum 85:90. Zwar traf auf der Gegenseite Nikita Khartchenkov seinen schnellen Dreier zum 88:90 und ließ die Schalker Hoffnungen noch einmal aufkeimen, doch Iserlohn blieb in Person von Reuter und anschließend Dahmen fehlerfrei an der Linie, sodass auch die zwei getroffenen Freiwürfe von Courtney Belger das Ergebnis nicht mehr umwerfen konnten. Am Ende gewannen die Iserlohn Kangaroos ein intensives und spannendes Match mit 93:90 gegen den S04, der sich als Trostpflaster den direkten Vergleich dieser Paarung sichern konnte. „Wir haben bis zu 65:60-Führung einen sehr guten Job gemacht, doch bereits dort merkte man, dass die Belastung für meine Mannschaft aufgrund der kleinen Rotation sehr hoch war. So haben wir zwei Fehler begangen und Iserlohn durch Nachlässigkeiten in der Defense zur Führung verholfen, der wir dann hinterherlaufen mussten. Wir haben aber nicht aufgesteckt, sondern uns zurück in die Partie gekämpft und die Verlängerung erspielt. Dort hatten wir sogar noch eine Minute vor Schluss beim Stand von 85:87 die Möglichkeit zu Ausgleich, aber wir waren einfach müde und konnten diese Chance nicht nutzen. Am Ende hat Iserlohn ein wenig glücklich diese Partie gewonnen, weil auch sie bis zur letzten Sekunde gekämpft haben“, gab Coach Wilder zur intensiven Schlussphase dieser Partie zu Protokoll.

Die Punkteverteilung in Iserlohn

Patrick Carney (15), Nikita Khartchenkov (15), Daniel Boahene (14), Courtney Belger (13), Trent Weaver (13), Lennart Weichsel (8), Michael Agyapong (6), Dorian McDaniel (6), Jonas Peters

„Ich kann meiner Mannschaft für diese Niederlage absolut keinen Vorwurf machen. Wir haben unseren Game-Plan konsequent verfolgt und er ist auch zu 95% aufgegangen, zudem haben wir dem großen Druck von Anfang an standgehalten und Iserlohn über dreieinhalb Viertel kontrolliert. Als die Unachtsamkeiten in der Verteidigung aufgrund der Müdigkeit hinzukamen, wurde es zunehmend schwer für uns, aber wir haben immer weitergekämpft. Ein großes Lob dafür an mein Team! Jetzt müssen wir den Blick schleunigst nach vorne richten und darauf hoffen, dass unsere verletzten Spieler schnell wieder ins Training zurückkehren, damit wir uns auf die wichtige Partie am Sonntag gegen Wolfenbüttel vorbereiten können“, resümierte Coach Wilder abschließend zur Partie in Iserlohn.

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Nächste Termine / Kalender

Die Tabelle der ProB nach dem 17. Spieltag

# TeamGS:NPKT
1 Bernau 17 12 : 5 24
2 Oldenburg 17 12 : 5 24
3 Quakenbrück 17 12 : 5 24
4 Bochum 17 11 : 6 22
5 Iserlohn 17 11 : 6 22
6 Schalke 17 8 : 9 16
7 Itzehoe 17 8 : 9 16
8 Wedel 17 7 : 10 14
9 Rostock 17 7 : 10 14
10 Wolfenbüttel 17 6 : 11 12
11 Stahnsdorf 17 5 : 12 10
12 Recklinghausen 17 3 : 14 6